Digitalisierung im Unterricht

Digitalisierung im Unterricht

Hemmschwellen abbauen

Von Henrik Mohn

Foto: www. pixabay.com

Der Beruf des Lehrers befindet sich mit der voranschreitenden Digitalisierung stark im Wandel. Neben Chancen gibt es auch Hürden, die überwunden werden müssen. Oftmals ist der Respekt vor der neuen Technik groß und die Frage stellt sich, welche Fähigkeiten im Lehrerberuf gefragt sind, um sich der neuen Welt sinnstiftend und praxisorientiert zu bedienen.

Lernen von den biblischen Vorbildern

Als Mose vom Berg Sinai herabstieg, hatte er Gottes Unterrichtsmaterial für das Volk Israel auf zwei steinernen Tafeln dabei. Für die damalige Zeit war dies das gängige Material, auf dem Informationen weitergegeben wurden. Jesus Christus orientierte sich bei der Weitergabe seiner göttlichen Botschaft an der Lebenswelt seiner Zuhörerschaft. Die Gleichnisse Jesu sind ein hervorragendes Anschauungsbeispiel: Sie zeigen tiefgehende Wahrheiten in einfacher Form auf. Anstatt auf irgendwelche neumodischen Trends zu setzen, orientierten sich sowohl die Schreiber der Bibel als auch der Sohn Gottes an dem, was um sie herum und den Menschen vertraut war. Laut einer Studie des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung befürworten rund 63 Prozent der Bevölkerung in Deutschland die Nutzung digitaler Medien im Unterricht.[i] Daher lautet die Frage für den Pädagogen der Gegenwart: Auf welche Weise vermittle ich die heutigen Unterrichtsinhalte?

Eine Begriffsbestimmung

Vielfach spricht man davon, dass die digitale Transformation große Chancen für mehr Lebensqualität eröffnet. Heutzutage sind schätzungsweise 20 Milliarden Geräte digital mit dem Internet vernetzt, im Jahr 2030 sollen es bis zu einer halben Billion sein.[ii] Für die Wirtschaft ist klar, dass dies ein Motor für Wohlstand und Wachstum ist. Auch im Bereich der Bildung der heranwachsenden Generation ist eines klar: an der fortschreitenden Digitalisierung kommt man nicht vorbei. Während der Bundestagswahl 2017 war der Slogan „Digital first. Bedenken second. Denken wir neu.“ vielerorts zu lesen. Doch was genau ist damit gemeint, wenn man von Digitalisierung spricht? In einfachen Worten versteckt sich hinter dem Begriff die Bedeutung, dass Information und Kommunikation digital umgewandelt werden.[iii] Es findet ein Wandel zu mehr digitalen Prozessen mittels Informations- und Kommunikationstechnik statt. Da digitale Medien längst zum Schüleralltag gehören, muss sich der Unterricht von heute dieser neuen und schnelleren Welt annehmen, damit Eltern und Lehrer nicht abgehängt werden. 

Grundvoraussetzungen schaffen

Im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung unseres Lebensraumes müssen die heutigen Bildungseinrichtungen weitestgehend mit einem Zugang zum World Wide Web ausgestattet sein. Dabei sind eine gute Übertragungsrate sowie eine umfassende Konnektivität die Basis, um Digitalisierung produktiv im Unterricht zu nutzen und zu ermöglichen. Idealerweise steht dabei ein ausreichend belastbares WLAN-Netzwerk zur Verfügung, über das sich auch Schülerinnen und Schüler einloggen können. Des Weiteren benötigt das jeweilige Klassenzimmer neben einer LAN-Verbindung auch einen Beamer, damit die multimedialen Inhalte beim Benutzen nicht stockend, sondern flüssig funktionieren und der gesamten Klasse sichtbar zur Verfügung stehen. Damit sowohl festinstallierte Computer im Fach- bzw. Klassenraum als auch mobile Geräte (Tablet-PCs, Notebooks, Blu-Ray-Player usw.) funktionieren können, ist ein Adaptergerät einzubauen, damit eine reibungslose Verbindung sämtlicher Geräte mit dem Wiedergabegerät ermöglicht werden kann.

Licht und Schatten stehen sich im Internet gegenüber. So ist es ratsam, sowohl eine gute Firewall als auch einen Virenschutz für das Netzwerk einzurichten, sodass vorbeugende Maßnahmen für jedweden Missbrauch getroffen worden sind. Wenn Schüler ins Netzwerk können, müssen Zugangsbeschränkungen für Plattformen individuell vergeben werden.

Mediengeräte sollten softwaretechnisch immer auf dem aktuellen Stand sein, damit ein reibungsloser Ablauf garantiert werden kann. Daher ist es ratsam, dass die Betreuung des Netzwerkes entweder in fachkundige externe Hände gelegt wird oder kompetente Kolleginnen und Kollegen zusätzliche Deputatsstunden erhalten, damit sie den Sicherheitsanforderungen sowie den regelmäßigen Updates gerecht werden können. Hier wäre der falsche Ort, um Geld einzusparen. Sind diese Grundvoraussetzungen vorhanden, dann kann die Digitalisierung im Unterricht zum Einsatz kommen[iv].

Digitalisierung in der Unterrichtspraxis

Ein Tablet-PC ist m. E. die beste Lösung, um die Chancen und Vorteile der Digitalisierung für die Lehrkraft in der Vorbereitung, der Durchführung sowie der Nachbereitung von Unterricht schnell, flexibel und einfach nutzbar zu machen. Im Folgenden ein paar Anregungen hierzu aus dem Unterrichtsalltag:

  • Es dem Nutzer eine große Flexibilität im Hinblick auf den Arbeitsort. Ob im Klassenzimmer oder Fachraum, dem Lehrer- oder eigenen Arbeitszimmer – alle meine Daten und Arbeitsmittel stehen mir sofort zur Verfügung. Mithilfe von Programmen wie OneDrive oder Dropbox bietet sich die Möglichkeit, die Arbeit außerhalb eines USB-Sticks oder anderweitiger Datenträger zu sichern, um diese dann zu gegebener Zeit bzw. im Unterricht abzurufen. Dadurch wird der User unabhängig von den jeweiligen Betriebssystemen, die vor Ort vorhanden sind. Zudem sind die Clouds durch Passwörter geschützt, sodass verantwortlich mit sensiblen Daten umgegangen werden kann. Auch die Schulbuchverlage haben dies erkannt und versuchen, mit Schulbuchsoftware diesen Markt zu erobern und den Lehrkräften zugänglich zu machen.[v]
  • Die Probleme beim Einsatz von farbigen Darstellungen werden  mit der Verwendung des Tablet-PCs (im Vergleich zum Einsatz des OHPs) nivelliert. Einerseits kann man Texte, Bilder oder Grafiken vergrößern oder verkleinern. Weiterhin sind die endlosen Diskussionen um die richtige Farbe ad acta gelegt und die Lehrkraft hat die zu Unterrichtenden jederzeit im Blick. Gerade für Schülerinnen und Schüler mit einer Seh- bzw. Farbschwäche ist dies eine Erleichterung, um Hefteinträge, Arbeitsblätter usw. abzuschreiben und zu bearbeiten.
  • Ein besonders wertvolles Tool ist die Möglichkeit, mit einem digitalen Stift direkt in die Abbildungen und Aufgaben schriftliche Notizen zu machen. So ist es beispielsweise möglich, den Tablet-PC via Bluetooth-Verbindung oder HDMI-Kabel mit dem Beamer im Klassenzimmer zu verbinden. So kann das Gerät direkt einem Schüler übergeben werden, der seine Notizen einfügt, die dann als Grundlage einer Besprechung dienen können. Da die Schülerschaft des heutigen Zeitalters ohnehin mit solchen Gimmicks vertraut ist, wird an die Schülerlebenswelt angeknüpft und man spart sich den Kauf eines Digiboards.
  • Eine weitere gute Einsatzmöglichkeit ist die direkte Verbindung zu diversen digitalen Lernangeboten[vi]. Vielfach bieten diese Seiten pädagogisch aufbereitete Lernhilfen, sodass die Vorbereitung schneller und effektiver auf die jeweilige Videosequenz ermöglicht wird. Ebenso ist im Zeitalter von Facebook, Twitter, Snapchat & Co. die Plattform YouTube nicht mehr auszublenden. Die Jugendlichen nutzen dieses Portal regelmäßig, sodass sich auch die heutige Lehrerschaft diesem nicht verschließen darf. Da auch die Bildungspläne verstärkt Wert darauf legen, dass heranwachsende Jugendliche einen mediengerechten Umgang erlernen, wird durch die aktive Einbeziehung der digitalen Welt in den Unterrichtsalltag diesem Ansinnen Rechnung getragen. Des Weiteren kann hier zugleich kritische Medienerziehung stattfinden.

Das Smartphone

Nicht jede Bildungseinrichtung besitzt die finanziellen Kapazitäten, um z. B. Klassensätze diverser Tabletanbieter für die Schülerschaft zur Verfügung zu stellen. Computerräume sind oftmals stark frequentiert, sodass eine spontane Nutzung des Internets oder anderer digitaler Angebote nicht leicht zu ermöglichen ist. Daher ist die Verwendung des Smartphones in einzelnen Unterrichtsphasen eine gute und schülernahe Ergänzung des Bildungsangebotes. So lässt sich beispielsweise zur Förderung von Multiperspektivität ein Themenaspekt in einer Gruppenarbeitsphase aus verschiedenen medialen Angeboten beleuchten. Einerseits können dabei digitale Printmedien, diverse Videokanäle und Online-Plattformen in arbeitsteiliger Gruppenarbeit genutzt werden, die dann anschließend im Plenum das Thema von mehreren Seiten beleuchten. Zudem kann mithilfe der Screen-Mirror-Funktion eine Verbindung zwischen Smartphone und Tablet-PC hergestellt werden, sodass die Lehrkraft den Schülern direkt die Nutzung diverser Medienangebote vorführen kann und die Schüler dies sofort selbstständig nachmachen können. So sind beispielsweise Recherchetätigkeiten gut aufzuzeigen und mit praktischen Übungen zu versehen.

Was nicht vergessen werden darf

Nicht erst seit der Hattie-Studie ist bekannt, dass guter Unterricht von einer persönlichen Beziehung zwischen Lehrer und Schüler abhängt. Dieser Aspekt ist auch mit dem aufwendigsten und anschaulichsten digitalen Informations- und Kommunikationsmittel nicht zu ersetzen. Hier hat die Digitalisierung ihre Grenzen. Auch die Jünger Jesu haben das meiste dadurch gelernt, dass sie mit Jesus Christus Zeit verbrachten, sich mit ihm austauschten und ihn beobachten konnten. Diese grundlegenden Lehrertugenden sind – trotz aller digitalen Raffinessen – weiterhin zu bewahren, zu fördern und beizubehalten. Denn jeder Schüler ist ein eigenständiges Individuum und eben nicht ein Produkt eines digitalen Rollenspiels.

Henrik Mohn ist Realschullehrer an der Freien Evangelischen Schule Böblingen. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.


Anmerkungen

[i] http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2017-09/bildung-lehrer-digitalisierung, 07.10.2017.

[ii] https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/digitalisierung.html, 07.10.2017.

[iii] http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/digitalisierung.html, 07.10.2017.

[iv] Weitere Informationen in: Kultus und Unterricht. Amtsblatt des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, Ausgabe A (11/2017), S. 65-81.

[v] z. B. www.scook.de oder www.bibox.schule

[vi] z. B. www.sofatutor.com (Für Lehrer kostenlos, wenn Nachweis erbracht!) 03e0003